Sie Untermensch.

Eine Bezeichnung die ich niemals vergessen werde.

Hallo aus Uruguay,

das Jahr 1975 kann man wohl für mich als sehr ereignisreich bezeichnen.

Musste ich 1974 noch eine Erlaubnis meiner Erziehungsberechtigten einholen als ich meine erste Bude mieten wollte, weil erst nach meinem 18.Geburtstag die Volljährigkeit von 21 auf 18 gesenkt wurde, so durfte ich dann endlich für mich selbst entscheiden. Die erste Amtshandlung welche ich vollzog, war der Austritt aus der evangelischen Kirche. Ja ich habe damals schon nicht viel davon gehalten, das hat sich bis heute nicht geändert und irgendwie habe ich ja Recht behalten. Die Kirche bzw. die Religionen sind das Gegenteil vom dem was sie vorgeben zu sein. Heute sieht man es ja ganz deutlich.

1975, ich wurde 19 und lernte Monika kennen.

Sie arbeitete in der Fleisch und Wurst Abteilung unseres Supermarkts, war 18 Jahre alt und verdrehte mir ganz schön den Kopf. Während alle Anderen vorher nur Geplänkel waren, wurde es bei ihr ernst. Sie war die Erste welche mich in meiner neuen Bude besuchte und sie war auch die Erste für mich überhaupt, die mich zum richtigen Mann machte. Nein, die erste Flamme vergisst man niemals. Sie prägt einen fürs Leben.

Leider wurde nie was richtig festes draus. Wir führten zwar irgendwie eine Beziehung, lebten aber niemals für länger zusammen und trafen uns eigentlich nur für das Eine. Na ihr wisst schon. Sex natürlich.

Da es nicht Festes wurde, wir uns nur sporadisch auf ne Nummer trafen, blieb es natürlich nicht aus, dass neben Monika auch noch Andere in mein Leben traten. Nein langweilig war es mir in diesem Jahr sicherlich nicht.

Irgendwann war dann auch ne Musterung bei der ich als tauglich eingestuft wurde.

Gegen Ende des Jahres erhielt ich dann meinen Einberufungsbescheid für den 2.1.1976 wo ich mich dann in Lebach, bei der 2.261, einfinden sollte, was ich dann auch tat.

Dort angekommen, gab es erst einmal ein Begrüßungsgeschwafel in einem Ton der mir schon mal gar nicht zusagte. Dann wurden wir auf die Stuben verteilt in denen wir zukünftig hausen durften. Es wurde uns angekündigt, dass wir die nächsten 6 Wochen auf keinen Fall nach Hause dürften und unsere Grundausbildung 3 Monate beträgt.

Beim Bund
Glücklich sieht anders aus.

Dann ging es zur Kleiderkammer bei der wir dann unsere Uniformen usw. erhielten welche es anschließen im Spind zu verstauen galt. Dies natürlich wie beim Militär so üblich unter einer bestimmten Anordnung welche ausgiebig kontrolliert wurde.

Der Ton war hart aber was sich ein Stabsunteroffizier da geleistet hat sprengte schon meine Vorstellungen.

Als ich etwas nicht nach seinen Wünschen einsortierte machte er mich mit Worten buchstäblich zur Sau.

Der Satz endete mit: „Sie Untermensch“

Das musste ich erst einmal sich setzen lassen. Wo bitte war ich da hineingeraten? Und nein, ich mochte sie nicht diese Bundeswehr und diesen Typen schon mal gar nicht. Leider traf ich in den 15 Monaten die ich insgesamt bei diesem Verein weilen musste noch mehr dieser kranken Gestalten, die wohl zu Hause nichts zum sagen hatten und es dann dafür im Job zeigen mussten welch tolle Kerle sie doch waren.

Die 2. 261 war eine Ausbildungskompanie für Luftlandetruppen also Fallschirmspringer. Somit wurden wir einer Jägerausbildung unterworfen. Geländehüpfer, Grasfresser und Stoppelhopper. Märsche mit vollem Gepäck über Stock und Stein, im Winter bei minus 20 Grad im Schnee, ehrlich, es war die Hölle.

Aber ich war jung, dumm und naiv, also ließ ich das alles über mich ergehen. Sport war groß geschrieben. 5000 Meter laufen in unter 20 Minuten vorgegeben. Etwas was ich niemals in meinem Leben gemocht habe und auch heute noch nicht mag.

Diese scheiß 5000 Meter waren eine Vorgabe um Fallschirmspringen zu dürfen. Ich habe sie niemals auch nur annähernd geschafft. Also durfte ich auch nicht springen und ich wäre doch so gerne gesprungen.
Will ich übrigens heute immer noch.

Nun ja diese 3 Monate Grundausbildung gingen irgendwie vorüber und ich wurde in meine zukünftige Stammkompanie versetzt.

Es wurde die Luftlandeversorgungskompanie 260 in Merzig an der Saar.

Kaserne auf der Ell. Ca. 6 Kilometer außerhalb von Merzig, mitten auf einem Berg.

Dort durfte ich dann noch 12 Monate verweilen.

Das einzig Gute an der ganzen Sache war, dass ich dort meinen Führerschein machte. Nicht nur den für den PKW, nein besonders den für den LKW, ohne zu wissen, dass eben dieser Führerschein einen Großteil meines zukünftigen Lebens bedeuten wird.

Ja das war etwas was ich sehr gerne machte.

Autofahren. Irgendwie war das mein Ding. Es machte mir jedenfalls eine Menge Spaß und je größer und schwerer um so besser.

Darauf lernte ich LKW Fahren.

Beim Bund gabs da den MAN 5 Tonner mit einachsigem Anhänger auf dem wir lernten. Natürlich mit nicht synchronisiertem Getriebe wo man noch doppelt kuppeln musste und Zwischengas brauchte wenn man runter schalten wollte. Etwas was heute kaum noch jemand kann.

21 – 22 – 23 zählte man beim schalten 🙂 Vergesse ich niemals.

Der Mythos, dass man besser ohne Kupplung schaltet hat sich mitunter bewahrheitet. Es geht wenn man den richtigen Moment erwischt und das Gefühl dafür hatte. Ich hatte es.

Mit so einem Faun 10t machte ich meine ersten Transporte.

Dann gab es noch den 10 Tonner von Faun. Ein LKW ohne Schnauze mit 3 Achsen. Ich denke bei dem Zustand in dem die Bundeswehr heute noch ist, gibt es diese Fahrzeuge immer noch.

Na egal.

Wie das bei der Bundeswehr weiter ging erzähle ich im nächsten Artikel.

Für heut ist mal Schluss.

Beste Grüße aus Uruguay

Peter

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