Meine Fettnäpfchen beim Bund.

Ich habe keines ausgelassen.

Hallo aus Uruguay,

mein Dickkopf hat mir schon viele Scherereien im Leben gebracht, dennoch geh ich meinen Weg und wenn ich einmal Hüh sage gibt es kein Hott mehr, selbst wenn mir das eventuell zum Nachteil gereicht.

Wenn ich also etwas nicht will, dann will ich nicht und wenn ich was will, dann am liebsten gestern schon.

Daran hat sich bis heute nichts geändert, ich bin lediglich etwas ruhiger geworden.

In einer Welt in der Mann nichts zum Sagen hat und auf die Befehle Anderer hören muss, passt das nicht unbedingt. Ergo eckte ich, wo immer ich nur konnte, an.

Selbst auf dem Übungsplatz verweigerte ich den Befehl und schmiss meine Knarre in die Ecke weil es mir dort zu kalt wurde. Es war minus 8 Grad und wir mussten durch die Nässe robben, die Klamotten waren feucht und wenn wir dann mal Pause machten gab es Tee und Margarine Brote. Die Margarine aus der Tube war natürlich gefroren und der Tee kalt bis wir an den Platz kamen wo wir essen durften.

Irgendwann reichte es mir und ich legte es darauf an in den Bunker zu kommen, denn da wäre es wenigsten warm gewesen.

Nein bis auf eine Ermahnung blieb es ohne Folgen.

Ein anderes Mal verstieß ich gegen einen Befehl und wurde prompt von meinem „Freund“ dem Feldwebel erwischt.

Zur Strafe sollte ich einen Aufsatz über Befehl und gehorsam schreiben.

Das tat ich dann auch!

Darin enthalten: „Wenn der Befehls Gebende seine Befehle nach Sympathie und Antisympathie erteilt, dann zeugt das von einer gewissen geistigen Schwäche des Befehls Gebenden welcher seine Position ausnutz.. usw.“

Nein nein ich habe keinen Namen genannt.

Dann hatte ich mal wieder Wache am Knochenende. Montags Morgens, ich war gerade in der Kantine und hatte mir mein Frühstück geholt, kam der Schreibstubenlaufbursche zu mir mit der Order ich solle sofort beim Feldwebel erscheinen. Also alles stehen und liegen lassen usw.

Stramm stehen… und dann Einen fahren lassen!

Na ja ich wußte schon was auf mich zukam. Also ging ich grinsend in die Stube zum Feldwebel. Machte Männchen, stand also stramm und grüßte, in der linken Hand hatte ich den Kakau gehalten und in der rechten meine Brötchen welche ich zum Gruß mit an den Kopf führte.
Sorry muss gerade nochmals lachen.

Ja und dann kam die Frage, oh ja ich war schon Gefreiter damals: „Gefreiter Junge, wen meinen sie denn damit in ihrem Aufsatz?“ Oh ich konnte mir ein grinsen nicht verkneifen. Erwiderte aber vollkommen trocken: „Herr Feldwebel, der welcher gemeint ist wird sich schon angesprochen fühlen.“
Seine Antwort: „Ja da meinen sie ja wohl mich!“
Darauf ich dann wieder, wir waren ja unter 4 Augen: „Herr Feldwebel wenn sie das so sehen, dann könnte das so sein.“

Er wurde sichtbar weiß im Gesicht, dann wechselte die Farbe ins rötliche und ich sah Rauchschwaden aus seinem Kopf qualmen. Er explodierte mit nur einem Wort: „RAUS!“

Ich ein: „Zu Befehl“, habe mich umgedreht und schleunigst seine Bude verlassen.

Am nächsten Morgen ging ich dann auf die Krankenstation und erzählte die Story dem Stabsarzt, der grinste sich Einen und sagte: „Du bleibt jetzt erst einmal hier auf der Station und dann bist Du für den Rest Deiner Zeit hier Innendienst krank„. Das hieß ich durfte in der Baracke bleiben und zu keinem Außendienst mehr herangezogen werden. Das war natürlich etwas was dem Herr Feldwebel, mit den roten Haaren und kurzen krummen Beinen, ganz gehörig gegen den Strich ging. Er konnte aber nichts gegen diese Entscheidung machen und ging mir fortan aus dem Weg.

Im Trainingsanzug vor der Krankenstation.

Ich denke es waren noch ca. 6 Wochen welche ich auszuharren hatte. Eine davon blieb ich auf der Krankenstation und die restliche Zeit kloppte ich in der Waffenkammer tot. Da hatte ich wenigstens meine Ruhe.

Ich durfte auch an den Knochenenden nach Hause fahren.

Wobei mir dann doch am letzten Sonntag beim Bund ein Malheur passierte auf das ich sehr gerne verzichtet hätte. Aber nein auch dieses musste ich erleben und mitnehmen, ich ließ nichts aus. So leid mir das immer noch tut. Es ist passiert, aber ich kann und werde es niemals vergessen.
Allerdings prägte es mich für mein ganzes Leben.

Wo ich vorher noch recht ungestüm mit Allem umging wurde ich nach diesem Erlebnis ruhiger.

Ein Beispiel noch für mein Ungestümes.

Ich hatte Mittwoch Führerscheinprüfung und bin den Montag davor schon mit dem Auto meines Vaters in der Kaserne gewesen. das heißt, ich fuhr ca. 200 km ohne Führerschein hin und am Freitag mit Führerschein wieder zurück nach Hause.

Der besagte Feldwebel bekam am Mittwoch als ich den Führerschein schon bestanden hatte, mit, dass ich schon mit dem Auto da war. Sein Aussage: „Wenn ich das einen Tag früher erfahren hätte, hätten sie keinen Führerschein mehr gemacht.“

Zum Glück hatte ich ja bestanden. Also ließ er Gnade vor Recht walten.

Ja na klar war das nicht richtig. Aber Mensch, wir waren alle mal jung und als junger Mann macht man halt so seine Dummheiten.

Dummheiten wie an Karneval noch während meiner Grundausbildung, ja damals feierte ich noch, was heißt feiern? Gesoffen wurde. Da hat man in Meenz als junger Mann und Soldat eben eine Reintour gemacht. Ich meine jetzt nicht den Rhein, sondern mal hier rein und dann da rein und dort rein. Kneipenwechsel am Rosenmontag und immer ein Bierchen und vielleicht noch ein Körnchen dazu. Fasching in Meenz und nüchtern nee nee, das passte nicht.

Es kam aber wie es kommen musste irgendwie weiß ich noch, das ich mich Höhe Hauptbahnhof befand und dann aber riss der Film. Aufgewacht bin ich in einem Kotzlazarett, war es vom roten Kreuz oder vom Malteser Hilfsdienst, ich weiß es nimmer, ist ja auch egal. Auf alle Fälle fehlen mir auch heute noch ca. 6 Stunden des damaligen Rosenmontags.

So könnte es gewesen sein mit mir…

Dass ich dadurch den Zug zur Truppe verpasste und mich auf einen Anschiss gefasst machen durfte sollte jedem klar sein, denn ich kam glatt 2 Tage zu spät in die Kaserne. Und mal ganz ehrlich, irgendwie ging es mir am Selbigen vorbei.

Tja, das waren die highligtes meiner Fettnäpfchen. Ich möchte nicht wissen wie meine Beurteilungen aussahen. Zur Reserve hat man mich jedenfalls niemals geholt und das Kapitel Bundeswehr war für mich nach meinem Ausscheiden dort weitgehend abgeschlossen. Nun, einmal wurde ich noch eingekleidet und bekam einen Seesack voll mit Klamotten. Den stellte ich so wie ich ihn bekam in den Keller und vergaß ihn bis ich diesen wieder abgeben sollte. Dazu fuhr ich Jahre später zur Abgabestelle und stellte ihn mit den folgenden Worten auf den Tisch: „Hier habt Ihr Euren Dreck wieder, macht damit was ihr wollt.“ Dann drehte ich mich herum und verließ diesen Laden. Ich bekam noch eine Rechnung für Fehlendes. Ob ich die bezahlt habe weiß ich nicht mehr.

Auf alle Fälle war damit die Bundeswehr für mich für immer abgeschlossen.

Übrigens, ich war ja immer noch Beamter als ich beim Bund war und ging dann nach der Entlassung wieder zur Bundesbahn zurück. Dort bekam ich eine neue Stelle bei der ich dann wieder an mein Gelerntes anknüpfen konnte.

Da ich noch jung war, gerade mal 21 hatte ich natürlich noch sehr viele Flausen im Kopf, welche nicht gerade förderlich für einen Beamten waren. Meist drehte es sich um „Weiber“ und den Suff und ich kam besonders zur Frühschicht des öfteren mal zu spät. Das mir das nicht zum Vorteil gereichte muss ich, denke ich, nicht erwähnen.

Doch davon dann im nächsten Artikel.

Liebe Grüße aus Uruguay

Peter

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