Meine erste Fernfahrt.

Als Beifahrer natürlich.

Fernfahrer LKW Rally auf der BAB.

Hallo aus Uruguay,

nachdem ich meinen Job und Beamten auf Probe bei der Bundesbahn erfolgreich hin geschmissen hatte, fing ich dann als Fernfahrer an meine Brötchen zu verdienen.

Wie ich im letzten Artikel schon schrieb, waren 1250,–DM welche ich bei der Bahn verdiente der auslösende Punkt. Als Fernfahrer bekam ich doch glatt fast das Doppelte und ich hatte ja eine Familie zu ernähren.

Eines Sonntags Abends um 22 Uhr war es dann soweit.

22 Uhr deswegen, weil bis zu dieser Zeit für die LKW ein allgemeines Fahrverbot herrschte. So begann jede LKW Rally um 22 Uhr. Jeder LKW auf großer Fahrt startete zur gleichen Zeit. Es war dann ein Run Richtung Autobahn wo man sich dann mit den Anderen die auch unterwegs waren vermischte. Es war aber auch immer ein Ansporn der Schnellste zu sein.

Wir hatte an diesem Abend den Auftrag nach Hamburg zu fahren.

Hamburg, oh gleich so weit, oh eine Weltstadt in der ich noch niemals vorher war. Hamburg das Tor zur Welt. Reeperbahn wo es was zu erleben gibt usw. Hamburg klang also nicht schlecht.

So ging die Fahrt von Meenz aus über die Weisenauer Brick übern Rhein Richtung Frankfurt. Dann am Frankfurter Kreuz Richtung Kassel und dann hat man die Möglichkeit sich zu entscheiden ob man lieber übers Sauerland die A 45 und dann die A 1 nach Hamburg fährt oder man auf der A 5 bleibt und über Kassel und Hannover Hamburg erreicht. Da wir aber noch einen Zwischenstopp in Bremen machen mussten fuhren wir über die A 45.

Jetzt muss man natürlich noch den jungen Lesern erklären, dass die LKW damals noch recht Untermotorisiert waren. Wir fuhren mit einem MAN, dieser hatte nicht mehr als 240 PS für 40 Tonnen Gesamtgewicht zur Verfügung. Somit waren wir in den Bergen nicht gerade die Schnellsten. Dann hatte dieser LKW noch eine Lenkradschaltung und diese wahr nicht einmal synchronisiert. Nun ja das hatte ich ja bei der Bundeswehr gelernt mit solch einem Getriebe zu fahren.

Was für mich das Besondere war, das war der Anhänger.

Bei der BW hatte ich immer höchsten einen Einachsanhänger den man im Spiegel eigentlich niemals gesehen hat. Jetzt hatte ich einen 3 Achs Anhänger der den Zug auf tatsächliche 18 Meter verlängert hat. Also der Zug war für mich als Anfänger verdammt lang und ich musste eben lernen damit umzugehen.

So ähnlich wie dieses Modell sah der MAN damals auch aus.

Auf der Autobahn ist das alles keine Problem. Da kann Jeder fahren. Schwierig wird es erst wenn man dann die Autobahn verlässt um dann zum Kunden zu fahren. Noch schwieriger wird es dann in der Stadt wenn man sich zwischen den ganzen PKW behaupten muss.

Beim Kunden angekommen muss man dann den Anhänger meist rückwärts an eine Ladebrücke rangieren. Auch das war neu für mich und ich musste es lernen, wobei ich weniger Probleme damit hatte als vorher angenommen.

Das Einzige was mir damals richtige Schwierigkeiten machte, war das fahren in der Nacht. Du darfst 4 Stunden fahren und musst dann 1 Stunde Pause machen. Um diese Zeit zu sparen wechselte man sich eben ab. Der Eine fuhr, der Andere schlief. Glaubt ja nicht, das man gut schläft während der Fahrt.

Somit blieb es natürlich nicht aus, dass man müde hinter dem Steuer saß.

Eigentlich ist es ein Wahnsinn und völlig wider der menschlichen Natur.

Einmal in meiner Anfangszeit, es ist mir erst nachträglich bewusst geworden, fuhr ich und mir fielen fast die Augen zu. Das darf ja nicht sein, also schaut man angestrengt nach vorne, die Reaktionen lassen nach und Du fängst quasi an mit offenen Augen zu schlafen. Kommen Scheinwerfer in den Rückspiegel oder Rücklichter in Dein Sichtfeld, dann biste da. Aber nicht 100%. Wie Du gefahren bist, kannst Du hinterher an deiner Tachoscheibe feststellen, die natürlich alles aufgezeichnet hat. Von der Fahrt aber selbst fehlen mir heute noch so einige Kilometer. Es grenzte wirklich an ein Wunder, dass damals nichts passierte.

Nun es war das für mich abschreckende Beispiel für alle Zukunft und es galt eben genau dieses zukünftig zu verhindern, was nicht immer leicht war.

Wie kommt es zu so etwas?

Die Angst etwas falsch zu machen, der Druck, das man zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmt Ort sein musste. Angst vor dem Jobverlust usw. Wenn man dann noch unerfahren ist, wie ich es damals war, dann sind die Faktoren für solch ein Verhalten absolut gegeben.

Nicht umsonst sagt man ja, dass der Job eines LKW Fahrers zu den gefährlichsten und härtesten überhaupt gehört.

Nun ja beim Hensel hab ich es nicht sehr lange ausgehalten. Die Frau war am meckern weil der Mann nie zu Hause war. Sie war ja noch jung und somit fehlte das Zusammensein. Es juckte ihr wohl zu sehr zwischen den Beinen. Dazu kam, dass die Arbeit undankbar war. Zu viele Stunden, zu viel Arbeit mit dem Planen LKW usw. Meine Tochter war auch kurz davor geboren zu werden. Ich brauchte also was Neues.

Also suchte ich mir einen neuen Wirkungskreis 🙂

Den fand ich dann auch recht bald und ich wechselte zum Frankenbach der damals noch fast eine Familienspedition war. Ich war aber immer noch ein Anfänger, doch ich bekam meine Chance.

Davon dann im nächsten Artikel.

Liebe Grüße aus Uruguay

Peter

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