Meine erste Fahrt nach Spanien.

Als Beifahrer natürlich.

Hallo aus Uruguay,

1983 war es dann endlich soweit, ich durfte als Beifahrer mit nach Spanien fahren. Ein Traum wurde für mich wahr.

Doch im Gegensatz zu heute, war das damals noch richtig kompliziert.

Die Grenzen waren noch Grenzen und an denen wurde natürlich entsprechend kontrolliert. Dies nicht nur die Ladung und die Fahrer, nein auch wie viel Diesel man noch im Tank hatte. Wer zuviel hatte musste das entsprechend verzollen. Da wurde peinlichst nachgemessen, schließlich ging es ja ums Geld. Dies war nicht nur in Straßburg an der Deutsch Französischen Grenze so, nein auch an der Französisch Spanischen in La Junquera.

La Junquera lebt von den vielen LKW’s

Dann benötigte man noch ein ganz spezielles Dokument für sein Fracht. Das Carnet TIR. Es waren die Zollpapiere die es auch heute noch für nicht europäische Länder gibt. TIR steht für Transports Internationaux Routiers und man findet es auch heute noch auf manchen LKW welche ins nicht europäische Ausland fahren oder aus selbigen kommen.

Ein international fahrender LKW.

Bei so vielen Vorschriften und Papieren war es natürlich nicht verwunderlich, dass so eine Grenz und Zollabfertigung etwas länger dauerte, denn da waren Beamte im Spiel und die waren natürlich sehr wichtig und hatten Macht. Mit einer bis mehreren Stunden musste oder durfte gerechnet werden.

Die Fahrt in Frankreich war zur Fahrt in Deutschland ein regelrechtes Vergnügen. Durch die schon damals privatisierten Autobahnen waren diese nicht nur Mautpflichtig, nein sogar in wesentlich besserem Zustand als manche Adolf Hilter Gedenkstrecke, welche man noch häufig in Deutschland fand, zur damaligen Zeit.

Dennoch, Frankreich ist, so sage ich immer, ein Kaugummiland, es zieht sich sehr von Grenze zu Grenze. Das sind vom Straßburg bis La Junquera mal eben schlappe 900 km und für diese benötigt man mehr als nur eine Lenkzeit von 9 Stunden. Doch wir waren ja zu zweit und konnten somit fast ohne Pause durchziehen. Lediglich Pinkeln und Futtern das musste sein und gerade in Frankreich wird und wurde dafür für die LKW Fahrer recht viel geboten. Les Routiers war und ist wohl immer noch das Zauberwort und an allen, den LKW Fahren freundlich gesinnten, Raststätten ausgewiesen.

Bei Les Routiers bekam man nicht nur meist eine Ermäßigung nein auch besonders gutes Essen und natürlich Kaffee.

Ja und das waren auch dann meine ersten Anfänge etwas Französisch zu lernen. Le boeuf, der Ochs, la vache, die Kuh, escalope fürn Kotelette und poulet für das Huhn. Das reichte für den Anfang. Ansonsten Hände und Füße reichten schon für eine Verständigung. Wobei man erwähnen sollte, dass viele Franzmänner, besonders in Grenznähe, Deutsch nicht nur verstanden. Sie weigerten sich nur es zu nutzen.

Spanien, La Junquera, der größte Puff Spaniens.

Dort wurde verzollt, dort stand man länger als 24 Stunden, dort ging man essen, dann einen trinken und zu guter Letzt in den Dos Mil Club. Dort im Club tanzen die schönsten Bräute auf den Tischen und für Dos Mil waren sie auch zu mehr bereit. Natürlich wird das heute nicht anders sein, nur dass sich die Preise angepasst haben. Zumindest war es 2007 noch so, denn da fuhr ich das letzte Mal diese Strecke, allerdings mit einem PKW.

Auch das muss erwähnt werden.

Nach der Zollabfertigung fuhren wir zum abladen nach Barcelona in die Zona Franca welche damals noch im Hafen lag. Auch dort hatten wir eine Übernachtung Aufenthalt bis wir am nächsten Tag dann abgeladen wurden.

Dieser Aufenthalt war schon etwas besonderes.

Wir gingen natürlich Abends was essen und anschließend auf die Rambla welche hinter den Columbus Denkmal anfängt und die Prachtstraße von Barcelona schlechthin ist. Doch Vorsicht war geboten. Es tummelten sich dort, am Abend bis in die Nacht, allerhand Bordsteinschwalben auf Kundenfang, Taschendiebe hatten Hochkonjunktur und bei manchem Mädel musste man wirklich zweimal hinschauen ob es denn auch wirklich ein Mädel war. Faustregel, wenn sie zugut aussah, war es meist ein Mann 🙂

Die Rambla von Barcelona und das Columbus Denkmal.

Nach dem Auslanden am nächsten Tag fuhren wir dann noch mit einer Restladung nach Valencia um diese noch am gleichen Tag dort los zu werden. Dort war wieder ein Übernachtung angesagt um dann unweit von Valencia in Villarreal eine Ladung Blattfedern für die bergischen Achsen in Wyhl zu übernehmen, mir der wir dann den Rückweg nach Deutschland antraten.

Blattfedern für die Bundesbahn

Natürlich durchliefen wir dabei die gleichen Kontrollen wie auch schon auf den Hinweg.

Aber eine Besonderheit möchte ich nicht unerwähnt lassen, denn diese hat mich für mein Leben geprägt so wie es ausschaut.

Nach der Grenzabfertigung in Straßburg und dem Wiedereintritt ins Bundesdeutsche überkam mich ein beklemmendes Gefühl:

Nun biste wieder in Deutschland und nun musste wieder aufpassen was Du tust und was Du sagst.

Grenzübergang nach Deutschland vor der EU

Dieses Gefühl hat mich all die langen Jahre begleitet und es kam jedes Mal auf wenn ich wieder Deutschen Boden betrat. Dabei war es egal wo und an welcher Grenze oder später auch am Flughafen.

Ich finde es heute als bezeichnend, dass es schon 1983 so war.

Und genau dieses Gefühl machte mir klar, dass ich irgendwann mal auswandern werde und Deutschland verlasse. Dass dies aber noch fast 30 Jahre dauern würde war mir damals sicherlich nicht klar.

Doch erst musste ich noch andere Länder und ihre Gewohnheiten kennen lernen.

Davon dann in den nächsten Artikeln.

Liebe Grüße aus Uruguay

Peter

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