Mein erster Sattelzug

Und ich wurde Vater.

Meine Tochter als Frischling 🙂

Hallo aus Uruguay,

bisher fuhr ich beim Hensel immer mit einem Anhänger. Als ich aber dann die Firma wechselte und zum Frankenbach ging, da gab es keine Anhänger sonder nur Sattelzüge und Autotransporter welche sich beim Rückwärts fahren gleich verhalten, wo man aber im Gegensatz zum Anhänger bei dem noch eine Lenkachse dazwischen ist umdenken muss.

Ein Sattelzug reagiert genau entgegen gesetzt wie ein Anhänger.

Ist eine reine Gewöhnung. Da ich mir frühzeitig angewöhnt hatte mich auf meine Spiegel zu verlassen, sah ich natürlich wo sich mein „Hinterteil“ hin bewegte und so konnte ich eben immer genau dahin steuern wo ich hin wollte.

Beim Frankenbach bekam ich meinen ersten LKW für den ich alleine verantwortlich war. Nix mehr Beifahrer. Nein ich musste zeigen, was in mir steckte. Hatte ich die Orientierung, die Ortskenntnisse also das Zeug dazu von A nach B zu fahren? Ja ich hatte es. Ich wusste es ja schon von der Bundeswehr her als ich alleine von Wildflecken in die Kaserne fuhr.

So ähnlich war der Langschnauzer von Krupp.

Mein erster LKW dort war ein uralter Krupp von Cummins. Da gab es beim Frankenbach noch genau 3 Stück von. Ein Stummelschnauzer und zwei Langschnauzer. Beide Versionen hatten schon ein synchronisiertes Getriebe und eine doppel H Schaltung. Also 12 Gänge zu Verfügung. Beim Langschnauzer war das kuriose, das wenn man vom 5. in den 6. Gang schalten wollte man fast aufstehen und zur Seiten gehen musste um den Gang einzulegen. So lang war der Schaltweg. Beim Stummelschnauzer saß man auf dem Motor und es war entsprechen laut in der Kiste. Klimaanlagen usw. gab es damals noch nicht und so schwitze man im Sommer gewaltig.

Oh ja der Stummelschnauzer hatte sogar eine extra Bremse für den Auflieger. Genau diese hat mich vor einem großen und wahrscheinlich schweren Unfall beschützt.

Ich fuhr mit einem Sealand 35 Fuss Container nach Grünstadt ins große Amilager. Beladen war der Container mit Matratzen. Das war nicht viel Gewicht. Ich fuhr vom Containerterminal, welches sich damals noch im Mainzer Zollhafen befand, zur A 63 Richtung Alzey um dann dort auf die A 61 Richtung Süden zu wechseln. Auf dieser ging es bis zum Frankenthaler Kreuz, dort auf die A 6 Richtung Kaiserslautern. Und genau in dieser Überfahrt passierte es. Ich trat die Bremse und nichts passierte. Ich hatte null Bremswirkung. Und das obwohl mein Luftdruck ausreichend war.

He ich sage Euch, mir ist das Herz in die Hose gerutscht.

Nur gut dass diese Zugmaschine solche eine Zusatzbremse für den Auflieger eingebaut hatte. Dies funktionierte unabhängig von der normalen Bremse und somit konnte ich den Zug verlangsamen und auch abbremsen und dann auch noch ganz vorsichtig bis zur nächsten Ausfahrt fahren wo auch schon das Amilager war. Es war also kein Problem mehr in dieses Lager einzufahren und den Auflieger mit samt seinem Container abzustellen.

Gut, das die Amis dort eine Werkstatt hatten in der man schnell feststellte wo der Fehler lag. Es hatte sich ein Luftschlauch gelöst, der dort einfach neu befestigt wurde, damit ich meine Heimreise wieder antreten konnte.

Ein Cummins Krupp mit kurzer Schnauze.

Das sind so Situationen, die vergisst Du Dein ganzes Leben nicht mehr.

Die Heimreise verlief dann ohne Probleme und ich ließ dann erst einmal den LKW durchchecken bevor ich eine weitere Fahrt mit ihm machte.

Beim Frankenbach bin ich Nah und Bezirksverkehr gefahren. Das hieß im Umkreis von 50 – 150 Km und ich war jeden Abend wieder zu Hause wo ich mich um meine schwangere Frau kümmern konnte. Na ja sie war nur schwanger und nicht krank und beim dritten Kind für sie, hatte sie natürlich die nötige Erfahrung.

Am 2.3.79 war es dann soweit. Meine Frau war schon einen Tag im Krankenhaus, ich den ganzen Tag nervös. Mann wird ja schließlich nicht jeden Tag zu ersten Mal Vater.

Bis Feierabend tat sich nichts. Kein Anruf rein gar nichts. Also setzte ich mich dann in meinen PKW, ich hatte zu der Zeit einen VW 1600 Variant und fuhr von der Arbeit direkt ins St Vincent Krankenhaus zu meiner Frau.

Dort angekommen, ging ich ohne Umschweife direkt zu Ihrem Zimmer wo ich sie aber nicht fand. Ich dacht sie ist mal für kleine Mädchen und ich wartete auf dem Flur. Dann sah ich einen Pinguin, ich meine natürlich so nen Ordensschwester mit Haube usw. und fragte diese wo sich meine Frau befindet und sie verwies mich in den Kreisssaal den ich dann auch sofort aufsuchte. Die Tür vom selbigen ging auf und eine Schwester kam heraus, schaute mich an und meinte, ach der Herr Papa, gehen sie ruhig hinein, ich lies sie stehen, denn ich sah meine Frau mit einem Bündelchen im Arm welches beim genauen hinsehen mir einen Schreck einjagte, denn ich dachte ich schau in einen Spiegel.

Da war sie da meine kleine Tochter Caroline. Sie kam um 18.34 Uhr auf die Welt, das war genau 5 Stunden 26 Minuten vor meinem 23. Geburtstag. Ich bin zu ersten Mal Vater geworden.

Gnädiger Weise war dieser Tag ein Freitag und ich musste am Samstag und meinem Geburtstag nicht mehr arbeiten. So konnte ich etwas feiern ohne rot zu werden und hatte ein Geburtstagsgeschenk welches man wohl nur einmal im Leben bekommt.

Auch so ein Moment den man im Leben nicht mehr vergisst.

Und wenn ich daran denke, dass dieses kleine Würmchen von damals heute auch schon wieder 3 Kinder hat wovon der Älteste nun auch schon wieder pflüge ist und Dummheiten macht. dann kann ich nur sagen:
Die Zeit vergeht.

Und mal ganz ehrlich, jetzt fällt mir auf, dass diese Schreiben hier etwas wunderschönes ist, denn ich kann alles noch einmal durchleben was mein Leben ausgemachte. Gänsehaut und feuchte Augen inklusive.

Jetzt reicht es aber erst mal wieder.

Alla dann bis zum nächsten Artikel.

Liebe Grüße aus Uruguay

Peter

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2 Replies to “Mein erster Sattelzug”

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